“Tue Gutes und rede darüber“ lautet das alte Credo der Public Relations-Branche. Dies scheint vielen schwer zu fallen. Denn bei den meisten Mittelständlern wird laut Untersuchungen Vertrauens-Marketing als schillernde Fassade verstanden: Goldene Außenhaut, fauler Kern. Das ist gefährlich, weil Vertrauen kein weicher Faktor ist, sondern eine messbare Größe. Ein Überblick über Markenvertrauen veröffentlicht nämlich der Vertrauensindex des deutschen PR-Verbands GPRA für unterschiedliche Branchen und Unternehmen.

Der GPRA Vertrauensindex untersucht:
  • der Umgang mit Kunden
  • Umgang mit Mitarbeitern
  • die Ehrlichkeit der Unternehmensaussagen,
  • und neben Kompetenz und Qualität auch
  • die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung

Wie hoch ist Ihr Vertrauensindex? Wie würden Sie abschneiden? Wenn Sie an diesen fünf Punkten arbeiten, können Sie Ihr Markenvertrauen deutlich steigern.

Heute wird im Web 3.0 Stimmung gemacht

Der größte Paradigmenwechsel in unserem Zusammenhang liegt vermutlich in der Meinungsbildung durch vernetzte, öffentlich gemachte Meinung, die das alte Prinzip der Werbung ablöst. Sie beruht nicht auf Versprechen, sondern auf Vertrauen. Wer schon immer danach gehandelt hat, tut nun gut daran.

Vorbilder im Mittelstand – Die Sadlowsky GmbH

Der Dach- und Dämmexperte Sadlowsky wurde gerade vom Kreditinformanten Hoppenstedt als höchst zuverlässig eingestuft wurde. „Qualität ist, wenn der Kunde zurückkommt und nicht das Produkt“, verkündet das Unternehmen selbstbewusst auf seiner Website. Statt viel zu erzählen, setzt Sadlowsky darauf, dass seine Produkte und Dienstleistungen im Kern stimmen. Denn „Erfolg ist auf Dauer nur möglich, wenn man sich voll und ganz hinter die Qualität seiner Produkte und Dienstleistungen stellt“ (ebd.). Das spricht sich herum. Und Sadlowsky expandiert weiter. Mit einem guten Image und hohem Markenvertrauen.

Späte Einsicht bei ThyssenKrupp – Vertrauen und Glaubwürdigkeit ist verloren

“Ich werde hier nichts beschönigen, denn es ist offensichtlich, dass in der Vergangenheit sehr viel schief gelaufen ist”, sagte Vorstandschef Heinrich Hiesinger bei der Pressekonferenz am 11.12.2012 zur Veröffentlich von 5 Millarden Verlust. Es habe bisher ein Führungsverständnis gegeben, in dem Seilschaften und blinde Loyalität oft wichtiger gewesen seien als unternehmerischer Erfolg. Fehlentwicklungen seien lieber verschwiegen als korrigiert worden. “Und es herrschte offenbar bei einigen die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten”, fügte er hinzu. Das Unternehmen habe bei Kunden, Aktionären und den Mitarbeitern viel Vertrauen und Glaubwürdigkeit verloren, sagte Hiesinger.  Das Kontrollgremium habe mit den Veränderungen im Vorstand ein klares Zeichen für einen Neuanfang gesetzt, so Hiesinger. “Wir etablieren konsequent eine neue Führungskultur, die auf Ehrlichkeit, Transparenz und Leistungsorientierung basiert.”

Marketing von innen

Der Vertrauensindex von ThyssenKrupp ist im Keller. Ebenso wie bei Schlecker, Müller Brot und Kik. Über kurz oder lang funktionieren Ausbeutung, Billigproduktion und unsaubere Geschäftspraktiken im 21. Jahrhundert eben nicht mehr. Nicht nur die Kunden werden gläsern. Auch die Unternehmen. Deshalb ist es ratsam von innen heraus fair zu arbeiten. Die glänzende Schale wird dann nur zur Fassade, die dann doch irgendwann faulig wird.